Windkraft in Biebertal bleibt ein heißes Thema

Bündnis 90/Die Grünen Biebertal hatten Mitglieder aller politischen Gremien der Gemeinde Biebertal und Vorstandsmitglieder von im weitesten Sinn betroffenen Vereinen und der Freiwilligen Feuerwehren zu einer Informations- und Diskussionsveranstaltung zum Thema „Windkraft in Biebertal“ eingeladen. Unter der Moderation von Frauke Emmenthal hatten sich ca. dreißig Personen eingefunden, um sich über das Thema zu informieren.

Grüße der BI

Grüße der BI

Die Bürgerinitiative Königsberger Gegenwind hatte vor dem Bürgerhaus durch Pfeifen, Trommeln und Buh-Rufe demonstriert, was deren Mitglieder unter einer sachlichen Auseinandersetzung verstehen.

Als Referenten konnten Bündnis 90/Die Grünen Dr. Malte Huchzermeier, einen der Geschäftsführer von Volkswind, Dr. Werner Neumann vom BUND, den selbstständigen Ingenieur Hans Hermann Freischlad und Ralf Naujoks gewinnen – ausgewiesene Experten in Sachen Windkraft.

Dr. Huchzermeier signalisierte Kompromissbereitschaft: So wird bei den derzeitigen Planungen bereits ein Abstand von ca. 800 m zu den Lindenhöfen (ca . 1200 m zum Ortsrand) berücksichtigt statt der ursprünglich vorgesehenen ca. 600 m. Außerdem teilte der Volkswind-Vertreter mit, dass es durchaus auch Alternativen zur aktuellen Planung gibt. Beim Einsatz der leistungsstärkeren Nordex-N-131-Anlagen mit größerem Rotordurchmesser und geringerer Turmhöhe. Mit diesen Anlagen sei es möglich, bei einem geringen Verlust von erzeugter Energie die Anzahl der Windräder im Helfholz von derzeit geplanten sieben auf fünf zu reduzieren.

Huchzermeier musste sich einer Reihe von kritischen Fragen stellen, die sich vor allem auf die Übernahme durch den Schweizer Energiekonzern AXPO bezogen. Er erläuterte, dass in wenigen Jahren auf Grund der ab 2017 geltenden Ausschreibungspflicht nur noch die ganz Großen im Geschäft um die Windkraft mithalten könnten und dass Volkswind früh und aus einer Position der Stärke auf diese Entwicklung reagiert habe. Am Konzept und der Umsetzung der Projekte würde sich dadurch nichts ändern. Volkswind beabsichtige immer noch die Anlagen selbst zu betreiben. Es bleibe Geschäftsmodell von Volkswind nicht nur Planung und Bau der Windparks durchzuführen, sondern diese auch zu betreiben.

Der Geschäftsführer von Volkswind ging in seinem Vortrag auch auf das Problem des Rückbaus von Windkraftanlagen ein. Er hält den Betrag von140.000 Euro, die bereits vor Baubeginn für den Rückbau in Form einer Bankbürgschaft zurückgelegt werden müssen, für zu hoch. Bei den Anlagen, die Volkswind bisher abgebaut habe, hätte man durch den Verkauf des Altmaterials immer mindestens eine schwarze Null erzielt.

Dr. Werner Neumann vom BUND setzte die Windkraft in den Kontext von Atom- und Klimakatastrophen und veranschaulichte, wie eine Umstellung auf 100 % Erneuerbare Energien in Deutschland unter Einbeziehung der Windkraft möglich ist. Zentral dafür ist die Lösung des Speicherproblems. Einen wichtigen Lösungsansatz hierzu habe Prof. Sterner von der Ostbayrischen Technischen Hochschule (OTH) geliefert: Er entwickelte Speicherkonzepte, v. a. die Methode Power-to-Gas, bei der überschüssiger Wind- und Sonnenstrom zur Produktion von Methangas genutzt wird, das direkt in die vorhandenen Gasnetze eingespeist werden kann.

Am Beispiel des Rotmilans zeigte Dr. Werner Neumann, dass nachweislich nicht die Windkraftanlagen die elementare Bedrohung für den seltenen Greifvogel darstellen. 35 % der getöteten Rotmilane verenden an Freileitungen, 22 % sterben durch (Verkehrs-) Unfälle, 17 % durch Abschuss. Nur 2 % sterben durch Kollision mit Windkraftanlagen. Das weitaus größte Problem für den Rotmilan sind die Veränderungen in der Landwirtschaft, durch die die Nahrungssuche für ihn immer schwieriger wird.
Weitere Themen des Abends waren die Wirtschaftlichkeit von Windkraftanlagen und die Gefährdung durch Infraschall. Zum Thema Wirtschaftlichkeit hatten Bündnis 90/DIE GRÜNEN auch Hans Hermann Freischlad von der Energiegenossenschaft Haiger eG eingeladen. Der Referent beleuchtete in seinem Vortrag vor allem die Bedeutung von Kraft-Wärme-Kopplung für die Effizienzsteigerung und wartete mit einer ganzen Reihe von Beispielen aus seiner persönlichen Praxis auf. Für ihn ist das Problem des Speicherns von Energie de facto gelöst. Es müsse nur noch umgesetzt werden. Dass die Effizienz bei der Umwandlung der Energie zum Speichern zurzeit noch bei ca. 60 Prozent liegt, stellt für ihn nicht das zentrale Problem dar: „Sonne und Wind liefern 15.000 Mal mehr Energie als wir benötigen.“

Auch das Thema Infraschall wurde behandelt. Nachdem Dr. Werner Neumann bereits gezeigt hatte, wie minimal der Anstieg des Infraschalls durch Windkraftanlagen gegenüber dem durch andere Quellen bereits vorhandenen Infraschall ist, wurde deutlich, dass durch den von Windrädern erzeugten Infraschall keine gesundheitsgefährdende Bedrohung der Anwohner ausgehe. „Diese Diskussion ist durch, wird jedoch von interessierter Seite ohne sachliche Grundlagen immer wieder neu auf den Tisch gebracht“, brachte es der Mediziner Ralf Naujoks, der sich selbst lange und umfangreich mit dem Thema beschäftigt hat, auf den Punkt.

Von Seiten zweier Mitglieder der BI Königsberger Gegenwind wurde kritisiert, dass die BI nicht eingeladen worden sei. Hierzu erläuterte Hendryk Gaidies, dass der Verein „Biebertaler Natur erleben und bewahren“ eingeladen wurde, der aus den Reihen der BI gegründet wurde. Als B90/DIE GRÜNEN dann mitgeteilt wurde, dass Frau Schmidt nicht mehr im Vorstand dieses Vereins sei und stattdessen zwei Vertreter zur Veranstaltung kommen würden, wurde Frau Schmidt, die bislang immer als Vertreterin der BI wahrgenommen wurde, zusätzlich mehrfach persönlich eingeladen.

Dieter Mackenrodt von der Jagdvereinigung Hubertus Gießen und Umgebung wollte wissen, wie sich Bündnis 90/DIE GRÜNEN zur Windkraft in Biebertal stellen. Hendryk Gaidies, stellvertretender Fraktionsvorsitzender, der den verhinderten Ortsverbandsvorsitzenden Bernd Goecke vertrat, stellte klar, dass Bündnis 90/DIE GRÜNEN sich auch in Biebertal schon immer für Windkraftanlagen ausgesprochen habe. „Wenn das bisher in der Öffentlichkeit so noch nicht angekommen ist, werden wir unsere Bemühungen in dieser Richtung verstärken müssen.“

Siegfried Gröf brachte die Position von Bündnis 90/DIE GRÜNEN noch einmal auf den Punkt: „Wir befürworten den Bau von Windkraftanlagen in Königsberg. Wir prüfen aber auch alle Gegenargumente sehr gewissenhaft und genau.“ In Anbetracht der vorgerückten Stunde und der schon ein wenig gelichteten Reihen erklärte die Moderatorin diese Aussage kurzerhand zum Schlusswort.

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